Berliner Zeitung ­ Kulturkalender, 25.4.2002

WoWo statt Dada

Neues vom deutschen Chanson

Von Uta Falck

Will man Reinhild Kuhns Programm "Ich suche mir ein neues Gesicht" verstehen, sollte man wissen, was "WoWo" bedeutet. Getreu der Definition seines Erfinders Friedhelm Kändler ist "Wowo die Frage auf die Antwort des Dada". Man erwarte also keine musiktheatralische Logik, sondern mehr oder minderverständliche Sätze in mehr oder minder moderne Klaviermusik gehüllt.

Absurdes Theater, das sich jedoch ernsthaft den Problemen widmet, die Frauen heute haben können. Etwa, dass keine so sein möchte, wie alle anderen ­ illustriert am Beispiel einer Motte, die lieber zu den Sternen fliegen will, als um die Lampe. Die immer währende Suche nach dem richtigen Weg inmitten von vielen bunten Möglichkeiten ­ das ist wohl der rote Faden des Abends, der auch viel Autobiografisches enthält.

Mit ihrem Solo-Abend tritt die Pianistin nach längerer Krankheitspause wieder auf. 1999 sprang die damals nur am Flügel sitzende Kuhn beim "Berliner Chansonfest" mit ihrem Sänger-Partner Anton Masie für den erkrankten Jo van Nelson ein und gab Chansons mit Kändler-Texten, die ursprünglich der Erkrankte dort vortragen wollte. Damals wurden Masie und Kuhn neben dem Duo Malediva als Hoffnungen für das neue deutsche Chanson gehandelt. Doch dann bekam Reinhild Kuhn ­ gleich einem Berufs-Aus für eine Pianistin ­ an beiden Händen Sehnenscheidenentzündung.

Als Reinhild Kuhn genesen war, hatte sich Bühnenpartner Masie längst aus dem Staub gemacht. Wen sollte sie nun begleiten? Vielleicht sich selbst?! Kuhn beschloss, Schauspiel- und Gesangsunterricht zu nehmen, Akkordeon zu üben und zu komponieren. Nun geht sie als komplettes Ein-Frau-Unternehmen auf die Suche nach einem neuen Gesicht: "Das, das ich hatte und liebte, / hatte und liebte mich nicht."

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