nmz - neue musikzeitung , Oktober 2002
Ein unterhaltsamer Chansonabend mit Reinhild Kuhn von Adelheid Krause-Pichler
Einmal werde ich sterben,Obwohl der Chansonabend mit Reinhild Kuhn vorwiegend vergnügliche Momente hatte, sind die Texte der Lieder selten ohne tieferen Sinn, ohne Schwermut und Mystik. Dies liegt nicht nur am Typus der Chansons selbst, sondern auch an den Textdichtern, die sich die Sängerin ausgesucht hat: Friedhelm Kändler, der den Dadaismus der 20er Jahre in aktuellen Publikationen (WoWo) fortsetzt und Kathrin Börst, Preisträgerin eines Lyrikwettbewerbs der Nationalbibliothek Berlin, die sehr musikbezogene Texte kreiert und damit die wehmütige Seite der Chansons belegt.
Die Musik für dieses Programm "Ich suche ein Neues Gesicht" schrieb Reinhild Kuhn zum Teil selbst, einige Chansons stammen aus der Feder des bekannten Arrangeurs Andreas Tarkmann, andere vom Komponisten Andreas Adolf. Das "neue deutsche Chanson" wieder populär zu machen und als Ein-Frau-Show in die kleinen Salonbühnen zu bringen, ist nicht nur zeitgemäß, sondern auch für die Pianistin und Sängerin Reinhild Kuhn die optimale Lösung. Mit Temperament, Witz und schwarzem Humor meistert sie die Dramaturgie, von der jungen Regisseurin Judith Seither geschickt inszeniert, wie es eben mit einem Alleinunterhalter und wenig gestalterischen Bühnenmitteln überhaupt möglich ist. Die Folge der Lieder ist unterhaltsam und abwechslungsreich, unterbrochen durch Sprech- und Klaviersolos, die Lieder erzählen von Synchronschwimmern, Hypofanten, Uhrenfreizeit, Bettzerzausen und Rabenaugenmus. Einziger Störfaktor bleibt an diesem Abend der Kampf mit dem beschnurten Mikrofon. Mal zu laut, mal zu leise, bald zu hoch oder zu tief hängend, wiederum knirschend und polternd bei jeder Berührung, wird dies technisehe Problem fast zum eigenen Programmpunkt.
Dennoch die Suche nach einem neuen Ich (Gesicht) prägt den Abend. Die Doppelbegabung der Reinhild Kuhn als Pianistin und Sängerin überzeugt vor allem mit dem "Synchronschwimmer" und "Senil am Nil". Drei CDs gibt es bereits mit Reinhild Kuhn, eine Chansonsängerin, von der man sicher noch mehr hören wird