Grafschafter Nachrichten – 8. Februar 2005

Melancholisch und entwaffnend ehrlich

Pianistin und Sängerin Reinhild Kuhn beeindruckte im Kurhaus

Von Albrecht Dennemann

Bad Bentheim – Mit ihrem Liederabend-Programm "Querfeld" gastierte Reinhild Kuhn am vergangenen Freitag im Kaminzimmer des Kurhauses in Bad Bentheim. Vor Ort zwar persönlich, musikalisch jedoch kaum bekannt, stellt sich die Situation an ihrem Wohnsitz Berlin durchaus anders dar: Sie ist "wer", wie den Medien zu entnehmen ist.

In Zeiten der kulturellen Vielfalt scheint sich eine Rückbesinnung auf längst vergessene Formate musikalisch-literarischer Ausdrucksformen Bahn zu brechen: Liederabende und Lesungen sind wieder "en vogue". Doch gar so einfach darf man es sich mit dem Vortrag von Reinhild Kuhn nicht machen. Das von ihr gestaltete Programm "Querfeld" war weit davon entfernt, eine hergebrachte Reminiszenz an hergebrachte Musik und Texte zu sein. Eigene Kompositionen und Texte durchzogen die von Moderation und Schauspiel angereicherte Darbietung.
Glücklich hatte man den Flügel und die kleine Bühne mit Akkordeon im Kaminzimmer vor dem namengebenden Objekt plaziert. Allein dadurch vermittelte die Szene ein ganz anderes Flair, als der Raum sonst verströmt. Mit schwacher Beleuchtung wurde der scheinbar leicht fragile Auftritt effektvoll unterstrichen. Ob rein instrumental am Flügel, gepaart mit ihrem Gesang, am Akkordeon oder in ihren die japanische Sprache imitierenden Spielszenen wirkte die Musikerin immer souverän. Sie bewies ihr Talent und ihr Können – musikalisch wie schauspielerisch.
Waren Texte durchgängig von Melancholie und Lebenserfahrung geprägt, standen sie in leichtem Kontrast zur mitunter heiteren Wirkung des instrumentalen Parts. In ihren Moderationen gab Reinhild Kuhn Persönliches preis – zumindest hatte man den Eindruck von Authentizität. Zart, fast schwindend schien ihre Stimme in Gesang und Moderation, überraschend druckvoll und konzentriert im nächsten Augenblick. Ließ sie das Publikum nah an sich heran, oder ist es Mittel zum Zweck, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen? Wie dem auch sei, es ist ihr gelungen, einen Abend zu gestalten, der gefällig daher kommt und zugleich den Charme des absolut Besonderen hinterließ.

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